Die Firma Peter im Kurort Meran blickt heute auf eine über
hundertjährige Geschichte zurück. Ihre Geburtsstunde
schlug, als der Karlsbader Porzellanfabrikant Franz Peter am
16. Juli 1894 in der damaligen Meraner Marktgasse ein kleines
Geschäftslokal anmietete, um hier eine "Filiale"
zu eröffnen. Zusammen mit seinem Bruder Gustav Karl Peter
hatte er im Vorjahre die seit 1867 in Kaltenhofen (heute Jalový
Dvûr) bestehende Porzellanfabrik der Familie Peter verkauft.
Für Franz Peter und seine Mutter Apollonia Peter geb. Mürling
war die Übersiedlung nach Meran ein Neuanfang.
Nur für wenige Jahre blieb das Lokal in der Meraner Marktgasse
ein reines Porzellangeschäft. Bald bereicherten Postkarten
das Angebot und Franz Peter bemühte sich gleich um die
Lizenz zur Ausgabe von "K. k. Postwerthzeichen". Ungefähr
um das Jahr 1899 wandte sich Peter der Photographie zu, die
bald auch seinen Unterhalt bestreiten sollte.
|
|
|
Franz Peter an seinem 80. Geburtstag
am 23. Oktober 1934 in seinem Geschäft sitzend
|
Im aufstrebenden Kurort Meran, dem bald bedeutendsten touristischen
Zentrum im Südwesten der österreichisch-ungarischen
Monarchie, standen Postkarten und Photographien hoch in Kurs.
Neben den typischen Veduten und Szenen des Kurbetriebes bestand
auch eine gewisse Nachfrage nach Photographien von Gebirgszügen
und Kulturgütern. Peter, selbst Alpinist und kulturbegeistert,
bediente seine Kundschaft überreichlich mit diesbetreffenden
Aufnahmen. Vor allem die vielen Burgen, Ansitze, Dorfkirchen
und Kapellen in den Haupt- und Nebentälern des westlichen
Südtirol hatten es ihm angetan. Begeistert beschäftigte
er sich auch mit den Ereignissen des Jahres 1809, deren Heldenporträts
er in Reprophotographie einem breiten Publikum zugänglich
machte. Ein Prachtalbum des Tiroler Freiheitskampfes verehrte
er sogar dem österreichischen Kaiser. Das Album wurde der
österreichischen Nationalbibliothek einverleibt.
Nicht zuletzt durch den Versuch einen Versandhandel für
Porträtreproduktionen historischer Persönlichkeiten
aufzubauen, wuchs sein Glasplattenarchiv im Laufe der Jahre
auf einige Tausend Stück.
|
|
|
Maria Scheler geb. Haid vor ihrem Geschäft
im Frühjahr 1967
|
Nach dem Tode seiner Mutter trat im Jahre 1914 Maria Haid als
Lehrmädchen in die Firma Peter ein, die er später
auch als Verkäuferin beschäftigte. Sie war es auch,
die die Firma im Jahre 1935, nur einen Monat vor dem Hinscheiden
Franz Peters übernahm. Maria Haid führte die Firma
Peter als Ansichtskartengeschäft weiter. Bald nach dem
Zweiten Weltkrieg mischten sich aber auch schon die ersten Souvenirs
unter die Billetts, bunten Juxkarten und Diaserien des bisherigen
Warensortiments. Die photographischen Bestände Franz Peters
wurden hier aber auch weiterhin für Reproduktionen genutzt.
Dies galt insbesondere für historische Ansichten der Stadt
Meran, Reproduktionen von Stichen und Porträts.
|
|
|
Norbert Haid in seinem Geschäft
im März 2002
|
Im Jahre 1972 ging das Geschäft in der nunmehrigen Sparkassenstrasse
an Norbert Haid, den Neffen der Maria Haid, über. Er richtete
das Warenangebot verstärkt auf den Souvenirmarkt aus, bediente
mit Mineralien, Modeschmuck, Gebrauchskeramik und saisonalen
Geschenksprodukten auch einen einheimischen Markt. Die jüngere
Vergangenheit brachte schließlich eine Umorientierung
in Richtung Modeschmuck mit sich, mit der vor allem Kunden der
jüngeren Generation angesprochen werden konnten.
Trotz aller Veränderungen gibt sich die Firma Peter sehr
traditionsbewußt. Im Jahre 1994, zur Feier ihres hundertjährigen
Bestehens, konnte in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft "foto-forum"
Bozen eine Jubiläumsausstellung über Franz Peter und
sein photographisches Lebenswerk gezeigt werden. Die Ausstellung
wurde im Meraner Pavillon des Fleurs und in den Räumen
des "foto-forums" in Bozen gezeigt, der begleitende
Katalog erschien in der Reihe Raetia Photographica. |
|
|